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► NAMEN

       JOHANN GEORG FLEIG   Am 21. November 1859 wurde Joh. Georg Fleig im Gesod, Gemarkung Stockwald als viertes Kind seiner Eltern Andreas und Ann Fleig geboren. Er war nicht gesund, und sollte Zeit seines Lebens nicht grösser werden als 1.30 m. Aber er war trotz seiner Behinderung lebhaft und hellwach.

Sein Vater ernährte die Familie Mühsam als Landwirt und Uhrmacher. Er war fleißig , sparsam und hatte Glück, so konnte er schließlich den Schloßhof bei der Ruine Waldau kaufen. Da Johann Georg nicht zur Landwirtschaft taugte, sahen sich die Eltern für ihren Sohn nach einem

anderen Lebenserwerb um. Es gelang ihnen, Johann Georg bis 1877 auf die nahe Zinzendorfschule in Königsfeld zu geben. Eine Privatschule in kirchlicher Trägerschaft der Herrenhuter Brüdergemeinen. Dort wurde Johann Georg wegen seiner Behinderung sehr gefördert. Und er erwies sich auch als fleißiger, intelligenter Schüler. Sein Lehrer Heinrich Barth hatte es ihm angetan, denn dieser hatte  zu dieser Zeit ein sehr ausgefallenes Hobby, die Daguerreotypie. Schon 1866 ließ er sich aus Frankreich einen der ersten hölzernen Fotoapparate kommen. In der Schule richtete Lehrer Barth ein Fotolabor ein um die  Schüler in einem fakultativem Lehrfach , die Fotografie, zu unterrichten. Das fasziniere und prägte den Schüler Johann Georg .

Bei Fotograf Dahl, zu dieser Zeit der erste seines Faches in Königsfeld , ging der junge Fleig ab 1897 in die Lehre, danach bei Firma Kurz in Mönchweiler zur Weiterbildung. Die üblichen Portraits und Aufnahmen füllte ihn nicht aus, Fleig strebte nach mehr, nach „malerischer Fotografie“ stand ihm der Sinn. So begann er thematische Fotoserien zu fertigen. Phasen des Lebens : Handwerker bei ihrer Arbeit, ländliche Sitten und Gebräuche, Höfe und Landschaften.

Sein Bruder richtete ihm im Schoßhof ein Atelier ein, und ermöglichte ihm damit die Selbstständigkeit. Doch es hielt ihn in Buchenberg nicht auf Dauer. Das Städtchen Hornberg mit seiner Eisenbahn, der aufkommenden Industrie und Tourismus, reizten Johann Georg immer mehr und 1885 wagte er den Schritt , er eröffnete im Hornberg ein Atelier. Sein Geschäft mit Andenken für Touristen, der Verkauf von Kunstdrucke aus eigener Herstellung, sowie Uhren , Mineralien, Schnitzarbeiten, Tierpräparate und nicht zuletzt die Idee seine Aufnahmen als Postkartenserien

Zu verkaufen, brachten ihm einen gewissen Wohlstand und honorigen Freundeskreis in Hornberg.

Die Eisenbahn ermöglichte ihm Ausflüge nach Engen, Konstanz und an den Bodensee. Auch hier entstanden dokumentarisch hochwertige und künstlerische Arbeiten.

Nach etwa zwanzig Jahren 1905 verkaufte er sein Geschäft in Hornberg um nach Oberweiler im Amt Badenweiler zu übersiedeln, wo er seine Krankheit zu kurieren versuchte. Er nahm sich nun die Zeit um größere Reisen zu unternehmen, so 1913 nach Venedig oder 1918 nach Hessen und Thüringen. Mit 64 Jahren starb er  am 16. Juni 1924 in Oberweiler, sein strapazierter Körper ließ ihn im Stich. Um den kleinen Mann den großen Fotografen aus dem Schwarzwald wurde es nun still. In Prof. Dr. Andreas Beck, Chefarzt am Klinikum Konstanz fand Johann Georg Fleig einen Menschen, den er faszinierte und der mit Hilfe einiger Sammler einen guten Teil seiner Arbeiten zusammentrug und auch mit Hilfe des

Geschichtsverein Buchenberg sein Leben und seinen Werdegang rekonstruierte. Als Ergebnis veröffentlichte Prof. Dr. A. Beck 2006 diese lesenswerte Biographie: „Johann Georg Fleig  -  Ein kleiner Schwarzwälder Genius“